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Wechselkursänderungen
Grundsätzlich entstehen Wechselkursänderungen durch Angebots- und Nachfrageverhalten der Marktakteure. Der Wechselkurs stellt sich dort ein, wo sich Angebot und Nachfrage nach einer Währung treffen. Als Marktakteure treten dabei sowohl Großinvestoren (z.B. Zentralbanken aller Länder, internationale Großbanken und Unternehmen) als auch Kleinanleger auf.
Während in Systemen flexibler Wechselkurse die Wechselkursänderungen nur durch Angebots- und Nachfrageverhalten der privaten Marktakteure entstehen, tritt in Systemen fixer Wechselkurse die jeweilige Zentralbank als zusätzlicher Marktakteur auf, der solange seine Währung kauft oder verkauft (s. g. Devisenmarktinterventionen), bis der festgelegte Wechselkurs erreicht ist.
Wechselkursänderungen haben große gesamtwirtschaftliche Bedeutung und spielen daher auch im Rahmen der Wirtschaftspolitik eine bedeutende Rolle. Aus der Betrachtung der Wechselkursänderungen im Zeitverlauf kann darauf geschlossen werden, wie die Marktakteure die Entwicklung einer Volkswirtschaft einschätzen.
Da sich der Wechselkurs auf einem sehr liquiden und oft volatilen Markt bildet, schwanken Wechselkurse in Systemen flexibler Wechselkurse erfahrungsgemäß sehr stark. Das Maß für die Schwankungsintensität eines Wechselkurses bezeichnet man als Wechselkursvolatilität. Große Wechselkursänderungen treten zumeist im Rahmen genereller Finanz- oder Wirtschaftskrisen auf.
Auf- und Abwertungen als Formen der Wechselkursänderung
Eine Währung erfährt eine Aufwertung, wenn ihr Preis auf dem Devisenmarkt steigt. Sie wertet ab, wenn ihr Preis auf dem Devisenmarkt sinkt. Im engeren Sinne bezeichnet man als Auf- und Abwertung nur wirtschaftspolitisch herbeigeführte Preisänderungen auf dem Devisenmarkt (so genannte Realignments).
Formal lässt sich die prozentuale Änderung des Wechselkurses (WK) wie folgt berechnen:
Bei einer Darstellung des Wechselkurses in Mengennotierung bedeuten positive Änderungsraten eine Aufwertung der Inlandswährung, negative Änderungsraten dagegen eine Abwertung (Devaluation). Es verhält sich genau umgekehrt, wenn der Wechselkurs in Preisnotierung dargestellt wird, dann entsprechen positive Änderungsraten einer Abwertung und negative einer Aufwertung der Inlandswährung.
Beispiel: Bei einer Aufwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar steigt der Wechselkurs in der üblichen Mengennotierung von 1,25 USD/EUR auf 1,50 USD/EUR, dann ist die Änderungsrate gleich 0,2, dies entspricht einer Aufwertung um zwanzig Prozent.
Auslöser von Wechselkursänderungen
Sind die Gründe bekannt, aus denen ein Angebots- und Nachfrageüberhang entstanden ist, dann ist auch bekannt, wie die Marktakteure (bzw. bei einem Festkurssystem die Regierung) die Entwicklung einer Volkswirtschaft einschätzen. Die wichtigsten Auslöser können sein:
- · Durch private Marktakteure ausgelöste Wechselkursänderungen sind meist auf Änderungen der Wechselkurserwartungen (siehe hierzu auch Terminmarkt) zurückzuführen. Dabei erwarten die Anleger, dass eine Währung aufwerten wird und kaufen diese Währung um von den Wertsteigerungen zu profitieren.
- · Eine Erhöhung des Leitzinses eines Landes bewirkt eine erhöhte Nachfrage nach Staatsanleihen dieses Landes. Da die Anleihen in der Währung dieses Landes bezahlt werden müssen, entsteht eine erhöhte Nachfrage nach dieser Währung, es kommt zu einer Aufwertung. Entsprechend wertet die Währung ab, wenn die Leitzinsen des jeweiligen Landes fallen.
- · Verstärktes Investitionsinteresse ausländischer Investoren bewirkt verstärkte Nachfrage nach inländischer Währung, es kommt zu einer Aufwertung. Dementsprechend bewirkt ein nachlassendes Investitionsinteresse eine Abwertung.
Auswirkungen von Wechselkursänderungen
Änderungen des Wechselkurses (besonders gegenüber wichtigen Handelspartnern) sind bedeutsame Einflussgrößen für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung eines Landes und oftmals auch die seiner Handelspartner. Die Auswirkungen sind sehr vielfältig, ihre volle Entwicklung erreichen sie erst über einen längeren Zeitraum. Die wichtigsten Auswirkungen sind:
- · Wechselkursänderungen haben Auswirkungen auf die Inflationsentwicklung: Eine Abwertung der inländischen Währung bewirkt direkt einen Anstieg der Importpreise und somit des Konsumentenpreisindex. Das hat zur Folge, dass die Inländer weniger Güter kaufen können (das real verfügbare Einkommen sinkt), da sie mehr Geld für importierte Güter ausgeben müssen. Umgekehrt wirkt eine Aufwertung inflationsbremsend, so dass das real verfügbare Einkommen steigt. Dieser Effekt ist kurzfristiger Natur.
- · Mittelfristig bedeutet eine Aufwertung einen Verlust an Wettbewerbsfähigkeit der inländischen Unternehmen, da die exportierten Güter im Ausland teurer werden und die Exporte zurückgehen werden. Dagegen wirkt sich eine Abwertung stimulierend auf die Exportwirtschaft aus. Im Rahmen der Zahlungsbilanztheorie werden die Auswirkungen von Wechselkursänderungen auf den Außenhandel untersucht. Wichtige Ansätze hierzu sind beispielsweise die Marshall-Lerner-Bedingung, die Robinson-Bedingung oder der J-Kurven-Effekt.
- · Wertet die Währung eines Landes ab, so dass sich die Wettbewerbsfähigkeit dieses Landes verbessert, dann bedeutet dies für andere Länder, dass ihre Wettbewerbsfähigkeit nachlässt. Meistens sind die Nachbarländer stark betroffen, deswegen bezeichnet man diese Wirtschaftspolitik, die darauf abzielt, über Abwertungen der Währung die Wettbewerbsfähigkeit auf Kosten anderer Länder zu steigern, als Beggar-your-neighbour- oder Beggar-thy-neighbour-Politik (zu deutsch: bring' deinen Nachbarn an den Bettelstab).
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